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10. Poetry Slam der Lesegesellschaft im Theater Ticino Wädenswil, 8. März 2016: Sarah Altenaichinger hat ihn gewonnen.

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Text ZSZ:

WÄDENSWIL, 10. Poetry Slam in Wädenswil :

«Eure Eltern haben euch angelogen»

Im Theater Ticino fand am Dienstagabend der zehnte Wädenswiler Poetry-Slam statt. Neun Wortkünstler überboten sich gegenseitig mit ihren originellen und reflektierten Texten.

Vier Frauen und fünf Männer sind am Dienstagabend am zehnten Wädenswiler Poetry-Slam im Theater Ticino gegeneinander angetreten. Die Regeln des Wortwettkampfes sind einfach: Jeder der Teilnehmer hat fünf Minuten Zeit, seinen selbst geschriebenen Text vorzutragen. Eine Jury, bestehend aus fünf zufällig gewählten Publikumsmitgliedern, benotet den Auftritt der Slam-Poeten. Die besten drei dürfen dann in einer Finalrunde einen zweiten Text präsentieren. Sieger ist, wer am Schluss den lautesten Applaus erhält.
Humor und Ernsthaftigkeit
«Eure Eltern haben euch angelogen. Ihr könnt nicht alles werden, was ihr wollt.» Mit diesem Statement konfrontierte Lisa Christ das Publikum im Theater Ticino. Sie könne beispielsweise nie ein Eichhörnchen werden. Auch wenn sie sich diversen plastisch-chirurgischen Eingriffen unterziehen würde und einen buschigen Schwanz annähen liesse, wäre sie zu gross. «Und eine Nussallergie hätte ich trotz allem noch», schliesst Christ. Mit ihrem Text ruft die 25-Jährige zu einer realistischeren und somit auch konstruktiveren Selbstreflexion auf: «Bleib so, wie du bist, kannst du dann zu jemandem sagen, wenn du ein Porträt von ihm malen willst.» Ihr Auftritt brachte das ganze Publikum zum Lachen und wurde von der Jury mit 44 von 50 möglichen Punkten bewertet.
So viele Punkte erhielt sonst nur die jüngste Teilnehmerin, Sarah Altenaichinger. Sie brachte mit ihrem rhythmisch vorgetragenen Text keinen Zuhörer zum Lachen, dafür aber ins Grübeln. Sie philosophierte über die Gesellschaft und den Zustand des Wartens. Die Slammerin malte in ihrem auswendig vorgetragenen Text abstrakte Bilder und überzeugte mit aussergewöhnlichen Wortkombinationen. «Wir warten darauf, dass die Welt sich verschiebt, um ein paar Zeilen», ist die zentrale Aussage des Textes. Anders als die meisten Poeten des Abends überzeugte die 19-Jährige nicht mit Humor, sondern mit ihrer ernsten und reflektierten Art. «Die Welt hat sich verschoben und wir sind tot», beendet sie ihren Text.
Makaber und provokant
Remo Rickenbach entlockte dem Publikum mit seinen makabren Sprüchen zwar nicht die höchste Punktzahl, dafür aber das lauteste Lachen. Auch kein Auge trocken blieb beim Auftritt des deutschen Micha Ebeling; er stichelte provokant gegen das Oberhaupt des Vatikans: «Wer nicht zu Gott betet, der betet zum Teufel? Dann sage ich: Wers nicht mit Frauen macht, der machts mit Männern.» Sandra Hughes beklagte sich über ihre Nicht-mehr-zum-Lachen-Falten, und Klaus Estermann wetterte gegen alle Sonnenanbeter. Die Hamburgerin Johanna Wack sah sich gegenüber ihrem körperlichen Verlangen nach einem unerreichbaren Mann hilflos und ersuchte in einem Monolog einen fiktiven Doktor um medizinische Hilfe.
Whisky für die Siegerin
Einzug ins Finale erhielten Remo Zumstein, Sarah Altenaichinger und Lisa Christ. Bei seinem zweiten Auftritt liess Zumstein sein Leben in Form einer Aufzählung von Eindrücken aus verschiedenen Lebensabschnitten Revue passieren und erzählte unter anderem von einem «Vater, der als Ehemann immer ehemaliger wird». Das Publikum bedachte seinen Text mit einem lauten Applaus, der ihn auf den zweiten Platz beförderte.
Christ lieferte einen schonungslos ehrlichen Text über die Geschlechterrollen in unserer Gesellschaft. Ehrlich gegenüber dem Publikum – aber vor allem ehrlich gegenüber sich selbst. Sie erläuterte ihre Beobachtung, nach der Jungs cool zu sein hätten, um beliebt zu sein, und Frauen hübsch. Denn die coolen Männer und hübschen Frauen seien die Könige der Welt. «Und ich sage bewusst nur ‹Könige›, denn die Königinnen sind ja doch nur Dekoration», sagte die 25-Jährige. Ihr gesellschaftskritischer Text, der die Selbsterkenntnisse einer jungen Frau widerspiegelten, erfuhr durch das männerlastige Publikum allerdings nicht die Wertschätzung, die er verdient hätte. So fiel der Applaus verhältnismässig gering aus. Den ersten Platz machte die jüngste Teilnehmerin des Poetry-Slams. Die Baslerin Sarah Altenaichinger trug im Finale einen Text vor, der wahrscheinlich den meisten jungen Erwachsenen im Publikum aus dem Herzen sprach. Er erzählte vom Versuch, sich selbst zu definieren und von der Suche nach Zugehörigkeit und Zusammenhalt. Die Slam-Poetin bezeichnete sich selbst als «Patchwork- Kind», zusammengepuzzelt aus den Einflüssen und Eigenschaften anderer Menschen. Sie heimste dafür den lautesten Applaus ein und somit auch den Preis des Abends: eine Flasche Whisky.
Rahel Leuzinger


9. Poetry Slam der Lesegesellschaft im Theater Ticino Wädenswil, 3. März 2015: Lisa Christ hat ihn gewonnen.

Lisa2015

8. Poetry Slam der Lesegesellschaft im Theater Ticino Wädenswil, Artikel von Sonja Freitag, Züri Nachrichten, 21. März 2014

zueriNachrichten

Text ZSZ:

Wortsport

WÄDENSWIL 8. Poetry Slam in Wädenswil :


«Messies machen die beste Party? Bei ihnen ist immer volles Haus»; solche und andere Wortspielereien bestimmten den Poesie-Wettkampf oder «Poetry Slam». Zehn junge Wortkünstler traten am 4. März im Theater Ticino Wädenswil gegeneinander an.

«Shit on it Babys» und «ey, rede die eigentlich no Dütsch?», hintersinnte die in Horgen wohnende Slammerin Regula Zahnd auf Berndeutsch. Auf die vielen englischen Wörter in unserer Sprache ging auch der Wettkampfsieger Marco Gurtner ein: Er stellte den Englisch-Slang dem Kauderwelschen des Berner Dialekts gegenüber. Seine Dialektwörter rasselte er auf der Bühne eilends herunter. Sie wiederzugeben, ist kaum möglich. Fünf beliebig ausgewählte Zuschauer bildeten die Jury des achten Poetry Slams Wädenswil. Sie verteilten jedem eine Note zwischen eins und zehn. Das Los bestimmte die Reihenfolge, in der die Wortakrobaten auftraten. Am Schluss erhielt der Sieger Gurtner vom Moderator Tom Combo eine Flasche Whisky.

Zensur
«Mein Text braucht kein Schreien», schrie der Poetry Slammer Valerie Moser. Die Wortartisten loteten die Bedeutungen, Grenzen und Zusammenhänge der mündlichen Sprache aus. Ans stärksten im Mündlichen war der spitzbübisch aussehende Gesamtsieger Marco Gurtner - in Tempo, Mienenspiel und Wortakrobatik. Der junge Herr wippte von einem Bein aufs andere und fuchtelte energisch mir den Armen. Er sprach mit einer Eindringlichkeit, als ginge es um Leben oder Tod: über englische In-Wörter und TV-Sendungen, die nie ausgestrahlt werden durften.
Toiletten und Alpakas
«Ist in diesem Leben die Toilette halb voll oder halb leer? - Scheissegal: Spül einfach», verkündete Kilian Ziegler. Er trug die druckreifsten Sprüche vor. Auch der oben genannte Satz zur Messieparty stammte von ihm. Er sprach seine Sätze zwischendurch derart langsam, als würde er eine Offenbarung kundtun: «Das A-l-p-a-k-a t-r-ä-g-t k-e-i-n-e F-r-i-s-u-r. – Es ist eine» Die abwechselnde Sprechrhythmik der Slammer sorgte beim Publikum für Lacher.

Stimmgewaltig
«Die mündliche Sprache überträgt dank der Stimme mehr Realität als jeder geschriebene Text», erklärte René Peter seine Freude am Poetry Slam. Im Vorstand der Lesegesellschaft Wädenswil hatte er den Poetry Slam Wädenswil 2007 gegründet. Er reiste auch letztes Jahr an verschiedene Slams. Dort suchte er nach Wortkünstlern, die ihm gefielen. Einige meldeten sich dank seiner Ausschreibung. Dieses Jahr nahmen ausschliesslich Schweizer teil. Manche hatten sich bereits mit Auslandauftritten oder über YouTube und auf Facebook einen Namen gemacht.

Blumen oder Büroklammern?
«Was mir an Körpergrösse fehlt, mache ich durch Worte wett», stellte die über die Sozialmedien bekannte Olga Lakritz auf der Bühne klar. Die kleine Frau fesselte sofort mit ihrer gnadenlosen Offenheit und der starken, klaren Stimme. Das Exhibitionistische reizte sie aus, indem sie die eigene Selbstbefriedigung in Worte fasste. Ihr Kommentar dazu: «Ja, wir sind auf der Bühne - ja, aber das ist Poetry Slam - ja, ich darf das.» Sie balancierte auf dem Seil des Persönlichen-zur-Schau-Stellens. Das berührte mitunter peinlich. Dennoch erfrischte ihre Direktheit ungemein. Auch fragte sie: «Wieso denken alle, dass Frauen Blumen mögen? Und wieso schenken Anwälte ihren Frauen stattdessen keine Büroklammern?. «Ja, warum eigentlich?», dürfte es im Anschluss in einigen Zuschauerinnen widerhallt haben.
Sonja Freitag

Bildunterschriften:
Bilder: Sonja Freitag
• Der Slam-Sieger Marco Gurtner trug ein T-Shirt mit der Aufschrift. «New Jörg City».
• Kilian Ziegler setzte eine Pointe nach der anderen: «Du bist wie viele Schiffe – eine Flotte.»
• Der Sprachrhythmus von Olga Lakritz erinnerte mitunter an Rap.

Der 8. Poetry Slam der Lesegesellschaft im Theater Ticino Wädenswil fand am Dienstag 04. März 2014 statt.

Tom Combo moderierte.


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Sieger des 8.Poetry Slams von Wädenswil: Marco Gurtner Bild: Claudia Flade), rechts aus Horgen Regula Zand (Bild: André Springer)

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Zürichsee-Zeitung, Freitag 28. Februar 2014

Sie gibt Situationen aus dem Alltag dichterisch wieder

WÄDENSWIL. Am Dienstag findet im Theater Ticino der 8. Wädenswiler Poetry Slam statt. Organisiert wird der Anlass von der Lesegesellschaft Wädenswil. Die Horgnerin Regula Zahnd tritt zum ersten Mal an.

CAROLE BOLLIGER
«Shit, s Smartphone spielt de Wake-up- Song, I ha es Date und bi scho wieder late», so beginnt der Poetry Slam der Horgnerin Regula Zahnd. Am kommenden Dienstag tritt die gebürtige Berner Oberländerin im Theater Ticino gegen sieben oder acht andere Slammer an. Die Lesegesellschaft Wädenswil organisiert den 8. Wädenswiler Poetry Slam.
Poetry Slam ist die einzige dichterische Kunstform, die einem sportlichen Wettkampf nahekommt, bestimmt doch eine Jury im Publikum zunächst die Finalisten und schliesslich den Sieger. Die Juroren benoten die Sprech- sowie Dichtkunst und wie sich das Publikum von den vorgetragenen Texten mitreissen lässt.
Blutige Anfängerin
Regula Zahnd hat sich der Dichtkunst Poetry Slam erst vor kurzem zugewandt. Zwar gehören Schreiben und Dichten seit je zu ihrer Leidenschaft. Jedoch hat sie den Poetry Slam erst als ZusChauerin kennen und lieben gelernt. Der Rhythmus der Gedichte und wie Slammer ihre Texte ausdrücken können, haben sie von Anfang an fasziniert.
Am vergangenen Dienstag wurde sie von den Organisatoren kurzfristig angefragt, ob sie in Wädenswil ebenfalls mitmachen wolle. Die 28-Jährige war sehr erstaunt, hat sie doch ihre Dichtkunst im vergangenen Jahr erst ein Mal in Horgen beim Littering Slam zum Besten gegeben. Innert zwei Tagen hat Regula Zahnd ihren Text gedichtet und geschrieben. Da sie sich selber als blutige Anfängerin sieht, rechnet sie sich in Wädenswil keine grossen Chancen aus. «Zwischen meinen Texten und denen von anderen Poetry Slammem liegen noch Welten», sagt sie selbstkritisch. Trotzdem freut sie sich auf ihren Auftritt. Sie will ihren Text, der sich mit Anglizismen auseinandersetzt und sich über deren Benutzung im Alltag belustigt, möglichst gut vortragen. «Es hilft .mir bestimmt, mich weiterzuentwickeln und zu merken, worauf reagiert das Publikum lind worauf nicht.». Die Ideen für die Texte fallen der Umweltingenieurwesen- Studentin meistens einfach so zu. Der Alltag liefert sie ihr. Der 8. Wädenswiler Poetry Slam wird moderiert vom Künstler und Poetry Slammer Tom Combo.

 

Der 7. Poetry Slam der Lesegesellschaft im Theater Ticino Wädenswil fand am Dienstag 05. März 2013 statt.

Tom Combo moderierte.


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Salm-Poeten im Element: von links Lea Hegemann (Bild: André Springer), René Sidow (Bild: André Springer)
Lea Hegemann aus Zürich gewann den Poetry Slam 2013 in Wädenswil, René Sidow spielt mit Worten über Arbeit und Sinn des Lebens eines Mannes.

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Zürichsee-Zeitung, Donerstag, 07. März 2013

Ein Kampf mit Wörtern

Wädenswil. Das literarische Genre des Poetry Slam erfreut sich ungebrochener Beliebtheit. Im Theater Ticino trugen die Poeten bereits zum 7. Mal den dichterischen Wettkampf aus.

Ueli Zoss
Mit einer herkömmlichen Autorenlesung hat die Performance nichts zu tun, welche die neun jungen Künstler am Dienstagabend auf der Bühne des Theaters Ticino in Wädenswil zum Besten geben. Poetry Slam ist die einzige dichterische Kunstform, die einem sportlichen Wettkampf nahekommt, bestimmt doch eine Jury im Publikum zunächst die Finalisten und schliesslich den Sieger. Die Juroren benoten die Sprech- sowie Dichtkunst und wie sich das Publikum von den vorgetragenen Texten mitreissen lässt.
Die 17-jährige Zürcherin Olga Schmitz beginnt den Abend mit «Was machst du?» und beendete ihren selbst geschriebenen, rund fünfminütigen Text mit der Erkenntnis, die Realität halte sie an der Leine. Die Zugerin Judith Stadlin reflektiert mit witzigen und pointierten Bonmots über Alltägliches. Einigermassen banal wirken die Erkenntnisse der Winterthurerin Martina Hügi über ein Date mit einem potentiellen Liebhaber. Sie kommt aber bei der Jury gut an. Für eine bescheidene Gage treten ebenfalls die Aargauer Fitim Lutfiu und Metush Gjuraj auf.Theaterautor Gjuraj ist regelmässiger Gast im Ticino.Vor einem Jahr ging er bodenlos frech vor. Nun erzählt er eine nachdenklich stimmende Kurzgeschichte über einen Sterbenden, der sein Leben Revue passieren lässt. «Ich will nicht immer provozieren», sagt er während der Pause. «Die Leute sollen wissen, dass ich auch tiefgründig sein kann.»

Gast aus dem Ruhrgebiet

Es folgt der Auftritt eines eigentlichen Slam-Profis. Der Deutsche René Sydow aus Witten, einer Stadt im Ruhrgebiet, trägt lyrisch wahrscheinlich Autobiografisches vor. Der Text handelt von einem Dichter, der den Arbeitsmarkt sondiert und in die Fänge eines Headhunters gerät. Zum Schluss sagt er, der Marktwirtschaft könne er Rainer Maria Rilke und Georges Brassens entgegensetzen. «Nun übersetzen sie dies mal ins Business-Englisch.» Sydow sagt, er lebe vom Schreiben. Wädenswil ist die letzte Station des Slam-Poeten auf einer einwöchigen Tournee durch die Schweiz.
Die Zürcherin Amina Abdulkadir versetzt sich in die Gedankenwelt von Fahrgästen im Zug, die 16-jährige Bülacherin Lea Eberle frischt Kindheitserinnerungen über einen Plattenspieler auf, und die 17-jährige Lea Hegemann begegnet in Form eines Traummannes ihrer Muse. Gymi-Schülerin Lea erhält zu Recht die erste 10 des Abends – die Bestnote.

Verdiente Siegerin

Im Final erweist sich Martina Hügi wie alle ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter als aufgeweckte Beobachterin des Alltagsgeschehens. Sydow macht sich Gedanken, ob ein Kind zeugen, ein Haus bauen und einen Baum pflanzen für einen Mann tatsächlich den Sinn des Lebens ausmacht. Lea Hegemann philosophiert über eine Person, deren Leben in Mittelmässigkeit feststeckt.
Nun entscheiden alle Zuhörer im Saal mit Klatschen, wer denn gewonnen hat. Als der Name Lea Hegemann fällt, stampfen sie sogar mit den Füssen. Siegerin wird wahrlich ein Sprach- und Schreibtalent.

 

Der 6. Poetry Slam der Lesegesellschaft im Theater Ticino Wädenswil fand am Dienstag 06. März 2012 statt.

Tom Combo moderierte.


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Salm-Poeten im Element: von links Diego Häberli (Bild: Nicole Dreyfus), Rebecca Regli (Bild: André Springer)
Diego Häberli aus Schaffhauesen gewann den Poetry Slam 2012 in Wädenswil, Rebecca Regli aus Richterswil bot eine Mischung aus Feminismus und Sexismus, eine Homage an den Tag der Frauen.

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slam2009


Zürichsee-Zeitung, Donerstag, 08. März 2012

Literaten, laut und lebendig

Wädenswil. Poetry-Slammer gelten als die Nonkonformisten unter den Literaten. Mit ihrer Art, Poesie vorzutragen, machten sie am Dienstag das Theater Ticino unsicher.

Ueli Zoss
Die Richterswilerin Rebecca Regli gehört zu den rund 40 Poetry-Slammern in der Schweiz, die mit ihrer Wortakrobatik Geld verdienen. Auftrittsmöglichkeiten gegen eine Gage gibt es für sie genügend. Am Dienstagabend trat die 23-Jährige Absolventin der Zürcher Hochschule der Künste am 6. Wädenswiler Poetry Slam im ausverkauften Theater Ticino auf.
„Ich liebe es, mit der Sprache zu spielen. Ich habe bisher ungefähr 20 Texte geschrieben. Die ich regelmässig vortrage», sagt Regli. Die Poesie zwischen zwei Buchdeckel pressen will sie nicht. «Aber vielleicht nehme ich eine Hör-CD auf.»
Poetry Slam ist eine schweisstreibende Angelegenheit. Die Performer lesen auch mal liegend vor, gestikulieren wild und schreien sich die Seele aus dem Leib. Regli wählte eher eine ruhige Variante, erinnerte zu Beginn ihres fünfminütigen Auftritts an den anstehenden internationalen Frauentag, um sich dann mit einem Mix aus Feminismus und Sexismus unter dem Motto «Blueme im Tal» über Ex-Mister-Schweiz Renzo Blumenthal auszulassen.
Die Mischung aus Satire, Nonsens und Schimpftiraden bot ein Feuerwerk an Wortwitz, das die Zuhörerschaft wahlweise schmunzeln oder hell auflachen liess.
Jung, schräg und frech waren auch die übrigen auftretenden Literaten, derweil sich im Publikum auch überraschend viele ältere Semester befanden. Der Basler Patrick Plattner lud zu einer poetischen Reise auf einem fliegenden Teppich ein. Sogar bodenlos frech und die Grenzen des guten Geschmacks bisweilen verletzend, ging der Zürcher Fitim Lutfiu vor, seinen eigenen Worten nach der «Quotenausländer» des Abends. Erst mokierte er sich über die Religionen dieser Welt, um dann ironisch dem Kapitalismus als Ersatzreligion zu huldigen. Sein Gebet «Börse unser, geheiligt werde dein Kurs» kam zwar beim Publikum gut an, eignet sich aber eher für einen Kulturabend der Occupy-Bewegung.

Unnötiger Wettkampfcharakter

Die Zürcherin Daniela Dill nahm sich dem Wolf und seinen sieben jungen Geisslein an. Ihre Version des Märchens verliess schon im ersten Satz die gewohnten Bahnen. Amina Abdulkadir bewies, dass Slamkunst nicht nur unterhaltend und amüsant ist, sondern auch nachdenklich stimmt. Wie die Zürcherin Texte zu schreiben begann, entspricht der Motivation vieler Slam-Poeten: «Die Kunst, auserwählte Wörter zusammenzufügen, damit Gefühle und Beobachtungen zum Ausdruck zu bringen, mochte ich schon immer», sagt sie.
Wieso Poetry Slams von einer Jury benotet werden, daraus ein Dichterwettkampf wird, wissen nur die Literatur-Götter, ist man nach dem Abend versucht zu sagen. Diesen Zusatz könnte man ebenso gut weglassen. So wären dem Publikum im Theater Ticino die langweilige Anmoderation, die ebenso langatmige Juryauslosung und die schulmeisterliche Notengebung erspart geblieben.
Der Wettkampfcharakter beruht auf der Anekdote, wie Poetry Slam entstanden ist. In Chicago sollen sich Ende der 80er Jahre zwei Männer ein Rededuell geliefert haben, und eine Jury musste bestimmen, wer die bessere Rede schwang. Aus dem verbalen Schlagabtausch ist längst eine Kunstform geworden, die nicht mehr gewertet werden muss. Auch für Rebecca Regli ist die Jury unwichtig: "Wer von uns welche Noten bekommt, ist völlig egal.»

Meine Kritik: Brief an den Jornalisten (klick)

 

Der 5. Poetry Slam der Lesegesellschaft im Theater Ticino Wädenswil fand am Dienstag 22. März 2011 statt.

Tom Combo moderierte.


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Salm-Poeten im Element: von links Daniela Dill, die vor lauter «Inspiration schwanger war», Susi Stühlinger, geformt von «unstetem Lebenswandel», und der spätere Sieger Micha de Roo, der übers suchtpotenzial im Alltag parlierte. Bilder: Sabine Rock

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slam2009abstandMicha de Roo gewinnt den 5.Wädenswiler Poetry Slam.
Zürichsee-Zeitung, Donerstag, 24. März 2011

Moderne Poeten reimen für die Bühne, nicht für das Buch
Wädenswil. Am Poetry Slam im Theater Ticino kämpften am Dienstagabend acht junge Männer und Frauen um eine Flasche Whiskey. Gewonnen haben alle, weil ihre selbst geschriebenen Texte zum Lachen, Grübeln und Beklatschen waren.
Pascal Münger
Nur weil man schwanger ist, muss man noch lange kein Kind gebären. Zumindest sieht das Daniela Dill so. «Ich bin schwanger vor Inspiration», gestand sie auf der Bühne des Theaters Ticino an der 5. Poetry-Slam-Nacht, wo sie gegen sieben weitere Hobbydichter um den Sieg als witzigste, klügste und nachhaltigste Poetry-Slam-Künstlerin des Abends kämpfte. Aber auch Dills Schwangerschaft brauchte natürlich einen Schelm, der sie befruchtet hat. Nur, wer war es? «Steven King oder Günther Grass, jeden lasse ich an mich ran, der mich begeistern kann», sagte Daniela Dill erst verwirrt, konnte den Täter dann aber dennoch ausmachen: «Denn schlussendlich sah ich klar, dass Kafka doch der Einzige war.»
Ein ganz anderes Problem mit der Schwangerschaft hatte an diesem Abend Gabriela Diriwächter. Sie war schwanger mit Worten, die sie nicht gebären konnte. Vollgestopft mit leeren Worthülsen, wenn sie einen neuen Mann kennenlernte, und erstaunt, dass man sich irgendwann nichts mehr zu sagen hat und nicht mal dafür Worte findet.

Alles begann mit einem Knall

An einem Poetry Slam kämpft man nur mit Worten. Die Form, wie man seinen literarischen Vortrag präsentiert und die Zuseher zu begeistern versucht, ist dem Dichter überlassen. Das Publikum entscheidet übrigens danach auch, wer der Sieger ist. Daniela Dill und Gabriela Diriwächter, die mit ihren Texten vor allem aufs Köpfchen zielten, hatten es am Dienstagabend jedoch schwer. Das rappelvolle Theater Ticino wollte nach einem harten Arbeitstag nicht darüber sinnieren, wie das Leben am meisten Sinn macht, sondern einfach lachen.
Da kam Nicolai Silva genau richtig. Die Stärke des Baslers, der seit zehn Monaten in Wädenswil lebt, ist es, kleine und grosse Ereignisse in der Welt und um ihn herum mit einer charmanten Kleinstadtphilosophie zu ummanteln und durch die Augen eines Clowns zu betrachten: «Bei der aktuellen beschissenen Lage in Ägypten wundert es mich nicht, dass wir heute Papierrollen zum Füdliputzen gebrauchen», sagte er zum Beispiel und hatte damit die Lacher auf seiner Seite. Aber eigentlich sei es ja nicht verwunderlich, dass hier niemand normal sei, wenn das ganze Universum mit einem Knall begonnen haben soll. «Und wie wir alle wissen, ist Wissen Macht. Aber so weit ich weiss, macht das nichts.»

Garfield der Kiffer

Schlussendlich musste sich das Publikum für drei Dichter entscheiden, die nochmals einen Text vorlesen durften und damit um den Tagessieg kämpften. Neben Nicolai Silva konnte vor allem Susi Stühlinger das Publikum begeistern. Sie erzählte von einem unangenehmen Saunabesuch, als sie sich beobachtet fühlte, während sie da stand, wie Gott sie schuf, und davon, wie ihr unsteter Lebenswandel sie geformt hat. Schlussendlich trug aber der Basler Micha de Roo den Schnaps nach Hause. In seinem ersten Text witterte er ein Suchtpotenzial in den alltäglichsten Dingen: «Nanos und das Sandmännchen machen schon von klein auf süchtig.» Garfield sei ein Kiffer, der nur herumliege und den Kühlschrank leerräume. Dann komme der ganze Stoff in der Schule, und am Ende sitze man nur noch vor dem Fernseher und schaue «Deal or No Deal». Bei seinem zweiten Auftritt führte Micha de Roo eine «dynamische Skulptur » vor, die er selber darstellte. Das Highlight war, als er mit seinem Arm einen Rüssel formte und wie ein sterbender Elefant zu Boden sank. Er wolle damit der krisengeschüttelten Autoindustrie in Rüsselsheim gedenken, sagte de Roo.


Der 3. Poetry Slam der Lesegesellschaft im Theater Ticino Wädenswil fand am Dienstag 10. Februar 2009 statt.

Tom Combo moderierte.


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Lara Stoll, Tom Combo, Rea Regli, Micha de Roo, Manuel Flückiger, Sophie Müller
(Fotos von Nick Gaudy)

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slam2009abstandKilian Ziegler gewinnt den 3.Wädenswiler Poetry Slam.

Zürichsee-Zeitung, Donerstag, 12. Februar 2009
Wädenswil Schwierige Entscheidung für das Publikum am 3. Poetry Slam

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Die Geschichte um einen völlig untalentierten Möchtegerntänzer begeisterte das Publikum im Wädenswiler Theater Ticino, und der Autor Kilian Ziegler gewann den Whisky. (Andre Springer)


Der «Foxtrottel» holte den Sieg

Neun junge Wortkünstler trugen am Dienstag am Poetry Slam im Theater Ticino ihre Texte vor und strapazierten die Lachmuskeln der Gäste.
Dorothea Gabelmann
«Ohne Dich», reimte Lara Stoll, «bin ich Britney ohne Unterhose in der Verliererpose.» Lara Stoll, die sich 2006 bereits den Titel als Schweizer Meisterin im U20 Poetry Slam sicherte und am vergangenen Wochenende in der Sendung Giacobbo/Müller zu Gast war, betrat als Erste die Bühne am Poetry Slam am Dienstagabend im Theater Ticino. Enthusiastisch schmetterte sie ihr Liebesgedicht «Wir gegen den Rest der Welt» dem Publikum vor. Schnell hatte Lara Stoll das Publikum in ihren Bann gezogen und heimste satte 41 Punkte von möglichen 50 ein.
«Hoffen wir, dass das Theater dem Sturm und Ihrem Begeisterungssturm, liebes Publikum, standhält», witzelte Moderator Tom Combo, selber Slam-Poet und Entertainer, am von der Lesegesellschaft Wädenswil organisierten Poetry Slam. Neun junge, wortgewandte Künstler trugen an diesem Abend im voll besetzten Theater ihre selbst gedichteten Texte vor.
«Jeder Poet hat fünf Minuten Zeit und wird nach dem Vortrag vom Publikum bewertet», erklärte Combo, «und dafür brauchen wir jetzt eine junge trendige Frau - nein, machen wir etwas anderes, denn das gibts hier nicht.» Schallendes Gelächter ertönte aus dem Publikum. Als sich dann die Männer mit der hübschesten Freundin an ihrer Seite melden sollten, hatte Tom Combo schnell seine fünf Jurymitglieder zusammen.

Als Sämi Schmid zurücktrat

«Ich bin traurig», begann Micha de Roo mit seinem Text, «ich bin traurig, wenn ich zurückdenke - an den Tag, als Samuel zurücktrat.» Das Publikum brach
in schallendes Gelächter aus und war begeistert von Micha de Roos Hymne auf Samuel Schmid, die er mit dem Satz «Samuel Schmid, ich vergiss dich nid» beendete. Auch Micha de Roo wurde von der Jury mit 41 Punkten bewertet.
Auf 42 Punkte schaffte es Marguerite Meyer. «Eigentlich müsste alles anders sein», sagte sie und erklärte dem Publikum, dass sie im falschen Körper geboren wurde und eigentlich Jessica Simpson sei. «Meine Freunde verstehen das nicht und sagen, ich hätte schon immer einen speziellen Humor gehabt», erzählte Marguerite Meyer. Deren Ausführungen kein Auge der Gäste trocken liessen. Einzig die Tatsache, dass Jessica Simpson auch im falschen Körper stecke, schien sie etwas zu beruhigen. «Denn Jessica Simpson wäre eigentlich Mike Tyson», sagte Marguerite Meyer.
Eine eher nüchterne Vortragsweise wählte Rea Regli. Mit monotoner Stimme erzählte sie vom toten Herrn Müller. «Herr Müller hat noch nie vorher tot geseint», sagte sie und erklärte, dass er daher vorsichtshalber erst mal verletzt spielte. Die Mischung aus distanziertem Vortrag und origineller Wortwahl schien dem Publikum zu gefallen, und die Jury vergab 43 Punkte.
Die meisten Punkte, insgesamt 46, erhielt jedoch Kilian Ziegler. Er überzeugte die Zuhörer mit seinen Wortspielereien, die er über sein nicht vorhandenes Talent im Tanzen machte beziehungsweise seine «Strobophobie», wie er es bezeichnete. Merengue ist für ihn ein süsses Dessert und Walzer ein Schweizer Mineralwasser. Wegen eines Wettbewerbs, bei dem es 2000 Franken zu gewinnen gab, traute er sich dann doch auf die Tanzfläche. «Hinterher fühlte ich mich wie ein Foxtrottel», beschrieb er und begeistert applaudierte das schallend lachende Publikum.

Whisky für den Sieger

Das Gedicht von Poetry-Slam-Neuling Cindy Seiler, die Wortakrobatik von Etta Streicher, die Reime von Sophie Müller und die humorvoll ausgeschmückten Wünsche von Manuel Flückiger wurden von der Jury mit einer angemessenen Punktzahl gewürdigt, schafften es aber nicht in die Endrunde. In dieser stellten die Finalisten nochmals einen Text vor, was die Entscheidung für die Zuhörer nicht gerade erleichterte. Schliesslich wurde anhand des Publikumsapplauses der Sieger bestimmt. Am Ende gewann Kilian Ziegler den Preis: eine Flasche Whisky.

2. Poetry Slam der Lesegesellschaft im Theater Ticino Wädenswil

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Renate Leukert, Renato Kaiser, Wehwalt Koslowsky, Publikum
(Fotos von Bernhard Fuchs)

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Rasanter Wettstreit der Poeten
Neun Poetinnen und Sprachakrobaten überboten sich am 2. Wädenswiler Poetry Slam gegenseitig mit originellen und bitterbösen Einfällen, winkte doch dem Sieger eine Flasche Whisky.
Anna Strausak

in: ZSZ vom 24.01.2008

Drei Stufen zum Podest, darauf ein Mikrofon, ein Flip-Chart, zu dessen Füssen ein Champagnerkübel, so präsentierte sich im Theater Ticino das Bühnenbild zum diesjährigen Dichterwettstreit. Tom Combo, selber Slam-Poet und Entertainer, moderierte die Lesung, assistiert von seinem persönlichen Glücksfaun René Peter, der die Lose der Teilnehmer zog.
Aus Deutschland traten Markim Pause und Wehwalt Koslovsky am Dichterwettstreit auf. Aus der Schweiz begrüsste der Moderator Annina Haab, Rea (Regli), Renate Leukert, Richi Küttel, Renato Kaiser, Suzan Hacislaihzade und Gabriel Vetter.

Beziehung-von Alimenten...

Renato Kaiser aus Freiburg entpuppte sich als waschechter St. Galler aus Goldach, was das Publikum mit Gelächter quittierte, als er sich mit seinem Dialekt outete. Seine Motive zum Slammen findet er im gesellschaftlichen Umfeld von Politik und Religion. Er lässt Damen einer Sekte aufmarschieren, provoziert mit Seitenhieben auf die Kirche und beackert arglistig das politische Umfeld der jüngeren Zeit.
Renate Leukert befasst sich mit der analytischen Seite der Sprache. Sie entlockt der Form an sich maliziöse Inhalte oder kreiert neue Wortwesen. An lauter blöden Ausdrücken entzündet sich ihr Geist. Blöde Wörter, die da sind: Beziehung, weil das Beziehen einer Wohnung ins Beziehen von Alimenten münden kann. Tupperware-Beraterinnen sind ihr nicht nur als Wort suspekt, auch mit dem Umfeld der notorischen Verkaufspartys rechnet sie schonungslos ab.

Bonus für die Ostschweizer

Von der Apartheid im Einkaufskörbli war die Rede in der Performance von Gabriel Vetter aus Kreuzlingen, von der Einteilung der Jungkonsumenten in Migros-Chind und Coop-Chind, von «söttige und dörtige», von Benachteiligten mit Big Mac und Bevorzugten mit iMac eben. Mit diesem Auftritt lockte Vetter das Publikum aus der Reserve. Zusammen mit Rea, Renato Kaiser und Wehwalt Koslovsky wurde er ins Finale geschickt.
Rea aus der Au legte die beste Performance hin und bestach durch ihre selbstironisch vorgetragenen Zwischenstücke in holprigem Hochdeutsch und mit den rasanten Wechseln von einer Rolle in die andere.

«Regardez là I'église»

Koslovsky beglückte das Publikum mit einem literarisch ausgefeilten Reimdrama von einem Richtfest, an dem eine Taube eine lose Schraube mit einem Wurm verwechselt, diese frisst und damit den Dachstuhl zum Einsturz bringt. Der Hausherr wird erschlagen, worauf sich der Zimmermann erhängt. Die Moral von der Geschicht: Wichtige Schrauben vergesse man nicht.
Der Emil-Bewunderer Vetter slammte für den Final ein Stück, in dem Zahnspangenträger Flubsiger nervte und bei jeder Gelegenheit im Klassenlager ausrief: «Regardez là l'église!". Selbst als man ihn in einen übel riechenden Raum einsperrte, drang des Nachts der stereotype Ausruf an ihr Ohr.
Vetter und Kaiser waren die letzten beiden Kontrahenten. Mit Stampfen und unbändigem Applaus gab das Publikum schliesslich zu verstehen, dass es der ironischen 1.-August-Rede von Renato Kaiser den Vorzug geben wollte.

Der Whisky gehört dem Kaiser!
Renato Kaiser ist Sieger des 2. Wädenswiler Poetry Slam vom Dienstag 22. Januar 2008

Lies deinen Text!

Am 1. Wädenswiler Slam im Januar 07 begeisterten acht PoetInnen das Publikum mit witzigen, originellen oder bitterbösen Einfällen. Auch 2008 kann jedermann und jedefrau teilnehmen. Eine Anmeldung spätestens an der Abendkasse genügt. Wer mitmachen will, trägt einen eigenen, fünfminütigen Text ohne Hilfsmittel vor. Der Text darf nicht gesungen, nicht mit Musik begleitet und nicht mit Bildern bereichert sein. Kostüme sind nicht erlaubt. Hingegen darf die Stimme beim Sprechen nach Lust und Laune variiert werden.

Poetry Slam ist emotional. Er fordert das Publikum heraus. Dieses bestimmt mit seiner Reaktion oder seinem Applaus, ob der Vortrag gut oder schlecht oder langweilig ist. Letzteres wäre die absolut schlechteste Qualifikation!

Anmeldung: 2.slamwaedenswil@gmx.ch

Tom Combo – Autor, Entertainer und Musiker – moderiert den Abend.

TeilnehmerInnen

Annina Haab, Au
Rea, Zürich
Renate Leukert, Zürich
Richi Küttel, Haslen AI
Markim Pause, Düsseldorf
Wewalt Koslovsky, Berlin
Renato Kaiser, Fribourg
Suzan Hacislaihzade, Wädenswil
Gabriel Vetter, Kreuzlingen





Siegerin 2007
Susi Stühlinger
aus Schaffhausen gewinnt den 1. Wädenswiler Poetry Slam
Annina Haab aus der Au (Wädenswil) wird zweite.



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Pressestimmen

«Jeder Text hat eine Botschaft. Deshalb ist es wichtig, dass die Leute meine Texte hören.» ANNINA HAAB, AU

Tages-Anzeiger Regional 16. März 2007
Vom Text verhext
Die Lesegesellschaft Wädenswil organisierte den ersten Poetry Slam im Theater Ticino. Mit dabei waren viele Grössen aus der Schweizer Szene, so auch Annina Haab aus der Au.
Von Res Hinterberger
Seit etwas mehr als einem Jahr nimmt Annina Haab an Poetry Slams teil. Neben Auftritten in der ganzen Schweiz, stand sie auch schon in Deutschland auf der Bühne. Angefangen hat die 16-Jährige damit hauptsächlich, weil sie ihre Texte vor einem Publikum vortragen möchte, wie die Wädenswilerin sagt. «Jeder Text hat eine Botschaft. Deshalb ist es für mich wichtig, dass die Leute meine Texte hören.» Als speziell mutig bezeichnet sie sich aber nicht: «Ich habe keine Angst vor den Auftritten. Ich bin einfach gerne auf der Bühne», sagt sie.

Das war ihr am Mittwochabend anzumerken. Selbstsicher stand sie mit dem Mikrofon in der einen, ihrem Text in der anderen Hand vor dem Publikum. Unter dem Motto «Namen anstatt Personalpronomen» trug Haab einen Text vor, in welchem sie Vornamen in Substantive und Verben einflocht. Der witzige Text kam beim Publikum sehr gut an - und das ist das Wichtigste bei einem Poetry Slam. Denn das Publikum übernimmt dort die Funktion einer Jury. Es benotet die Künstler und deren Texte und entscheidet so, wer in den Final kommt. Haab erhielt für ihren Text neben tosendem Applaus auch gute Noten und stand so mit drei «Mitslammern» im Final.

Anders als bei Poetry Slams in Zürich, an welchen hauptsächlich junge Leute anzutreffen sind, waren im Ticino alle Altersgruppen vertreten. Dies ist für einen Anlass der Lesegesellschaft Wädenswil eher aussergewöhnlich. Normalerweise besuchen deren Veranstaltungen vor allem ältere Leute. Am Mittwochabend waren jedoch alle Altersgruppen, von den Kindergärtnern bis zu den über Fünfzigjährigen, im Publikum vertreten. Und nicht nur die jungen Leuten waren begeistert, auch die älteren Besucher fanden Gefallen an der Veranstaltung. So zum Beispiel Stephan Gutzwiller. Der gut Vierzigjährige war zum ersten Mal an einem Poetry Slam und war begeistert: «Ich wusste nicht wirklich, was mich hier erwartet. Aber der ganze Anlass gefällt mir.»

Auch im Final eines Poetry Slams entscheidet das Publikum über Gewinnen und Verlieren. Der Künstler, der den lautesten Applaus erhält, gewinnt den Slam und erhält eine Flasche Whisky. Die Entscheidung am Mittwoch fiel knapp aus. Haab war beim Vortragen ihres Textes zwar ein wenig nervöser als noch in der Vorrunde, trotzdem tobte das Publikum wieder. Es kam zu einem Stichentscheid zwischen ihr und der Schaffhauserin Susi Stühlinger. Stühlinger ging als Siegerin aus dem Duell hervor. Enttäuscht war Haab deswegen aber nicht. Die Texte, die sie vorgetragen hat, seien ihr persönlich wichtig gewesen, und dem Publikum haben sie offensichtlich gefallen. «Das ist das Wichtigste. Auf Gewinnen und Verlieren kommt es nicht so an», erklärte sie danach. «Ausserdem darf ich ja sowieso noch keinen Whisky trinken», sagte sie und lachte.

Zürichsee-Zeitung, 16. März 2007
Von «genial» bis «leider nein»

Zu erwarten war das nicht unbedingt: volles Haus für den ersten Poetry Slam in Wädenswil. Die Lesegesellschaft hat sich auf Neuland gewagt und bereut es nach dem Grossaufmarsch wohl kaum.
Charlotte Walder
«Poetry Slam?» Fragezeichen, lange Gesichter. Nein, nicht nur bei den gestandenen Semestern: Auch jüngeren Generationen ist das nicht gerade geläufig. Für viele Zuschauerinnen und Zuschauer war es am Mittwochabend im randvollen Theater Ticino der erste Poetry-Slam-Abend, und für den einen oder anderen Slammer auch, etwa für Samuel Weber aus Schaffhausen. Funktionieren tut die Sache folgendermassen: Wer immer möchte, stellt sich auf die Bühne und trägt einen eigenen, fünfminütigen Text ohne Hilfsmittel vor. Meist seien Männer in der Überzahl, war zu erfahren, in Wädenswil hingegen war es umgekehrt. Der vorgetragene Text darf nicht gesungen, nicht mit Musik begleitet und nicht mit Bildern bereichert sein. Kostüme sind nicht erlaubt.
Das Vorgetragene bewegte sich am Mittwochabend zwischen «umwerfend» und «leider nein». Elsa etwa, aus Bern angereist, berichtete aus der «Stadt der Radikalen und Demonstranten», von Panzersperren und Polizisten, und von Gabi, die eigentlich nur nachhause möchte und weinen, weil ihr Liebster sie verlassen hat - und statt dessen mit dem Schützenpanzer einen Zürcher Polizisten plattwalzt. Lokalmatadorin Rea aus Richterswil, in rotem Pulli und roten Schuhen (von acht Kandidaten trugen solche allerdings deren vier), begeisterte mit ihrer wild und gepeinigt vorgetragenen Lebensdepression. Und Gerhard Meister verzauberte das Publikum mit den poetischen Ausführungen zu seiner Katze mit den «irrsinnig ökonomischen Bewegungen»: «Ehrlich - die bewegt sich gar nie.»
Kunstvolle Notengebung
Bewertet wurden die acht Kandidaten und Kandidatinnen im Normaldurchgang durch Noten, die ausgewählte Gäste im Publikum verteilten. Im Finale der besten vier entschied die Lautstärke des Applauses. Zu gewinnen gab es: eine Flasche Whisky. Tom Combo, Autor, Entertainer und Musiker, moderierte den Abend. Das Notengeben wurde ernst genommen: Aus einer Ecke im Saal kamen gar wunderschöne, kunstvoll verzierte Malereien, oft in Rebusform, die zuerst dechiffriert werden mussten, bevor die Note feststand.
Poetry Slam ist jung: Vor ziemlich genau 20 Jahren wurde diese Art Literaturwettstreit in Chicago zum ersten Mal veranstaltet. In Wädenswil trafen sich international bekannte Slammerinnen und Slammer, aber auch Lokalmatadorinnen. Für die Richterswilerin Rea war nach dem ersten Durchgang Schluss, Annina Haab aus der Au schaffte es mit ihren anspruchsvollen, eleganten Sprachspielereien locker ins Finale und dürfte, an der Stärke des Applauses gemessen, den zweiten Rang belegt haben hinter der Siegerin Susi Stühlinger aus Schaffhausen. Mitmachen hätten übrigens alle können. Eine Anmeldung an der Abendkasse genügt.


1. Wädenswiler Poetry Slam

mit international bekannten Slammern:

Annina Haab, international bekannte Slammerin aus der Au (Wädenswil)
Rea, international bekannte Slammerin, u20slam Championess von zürich aus Richterswil
Elsa Fitzgerald, Berner Slam-Championess, in deren Texten sich Frechheit und Intelligenz ein Stelldichein geben
Gerhard Meister, Bühnen-Ausnahmetalent, wie er schon bei "Die geholten Stühle" und "Bern ist überall" zeigte
Nicolette Kretz, subtile Texterin und Theaterschaffende
Sandra Künzi, hat mit einem Text schon Betten zum Einstürzen gebracht und ist als Akkuakku in Sachen Lounge-Musik unterwegs
Susi Stühlinger, Schaffhausener Shooting Starlet, hart im Nehmen und im Geben
Samuel Weber, Ostschweizer Newcomer

Moderation: Tom Combo

Poetry Slam ist eine Mischung aus Lesung und Performance. Texte werden gerappt, gejault, geflüstert oder einfach nur betörend gut vorgelesen. Eine Jury aus dem Publikum benotet die Texte und kürt einen Sieger oder eine Siegerin! Hilfsmittel wie Hupen oder Kostüme sind zwar nicht erlaubt, aber abgesehen davon darf nach Lust und Laune vorgetragen werden, was nicht länger als fünf Minuten dauert. Altersbegrenzung gibt es keine, der zwölfjährige Rapper darf ebenso auftreten wie die 82-jährige Rentnerin, der Bauarbeiter genauso wie die Atomphysikerin.
Überregional erfolgreiche SlammerInnen werden anwesend sein und sich gerne herausfordern lassen. Slams zeigen, dass das erst zwei Stunden vorher abgefasste Gedicht manchmal besser ankommt als ein routinierter Vortrag.
Moderiert wird der Abend von Tom Combo, international tätiger Slammer, Schriftsteller und Musiker.

Anmeldung unter:

5.slamwaedenswil@gmx.ch (Du Kannst dich auch noch an der Abendkasse melden.)


Dienstag, 22. März 2011
Theater Ticino, 20 Uhr
Fr. 15.–
Vorbestellungen unter Telefon 044 780 93 58 oder über www.theater-ticino.ch


Links
zu Webseiten über Poetry Slam

www.poetryslam.ch
das portal der schwizer poetry slam-szene

www.textlabor.ch
dem forum für spokenwordverliebte, dem departement für poetryslamangelegenheiten, dem ministerium für dichterliebe, dem einzig wahren literaturrat im grossraum schaffhausen

www.solarplexus.ch
Junge Kuns & Literatur, Zeischrift [nerv] - Poetry Slam

www.rubikon.ch
rubikon Veranstaltungen, zB. Poetry Slam im Schiffbau

www.cafe-kairo.ch
Das Café Kairo hat viel Kultur. Die nächsten Vorstellungen: Klick auf den Link.

www.menschenversand.ch
Der gesunde Menschenversand, ein Verlagshaus mit Jahrgang 1998. Menschenversand hat Poetry Slams in der Schweiz eingeführt und aufgebaut. Hier erfahren Sie alles Wissenswerte zu den Menschenversand-Produkten: zu Büchern, CDs und Literaturfanzines, zu Lesungen und Poetry Slams. Ausserdem finden Sie hier Unmengen an Informationen zur Poetry-Slam-Bewegung.





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