Dienstag, 18. März 2025

Wädi-Slam der Lesegesellschaft im Theater Ticino


Theater Ticino, Seestrasse 57, Wädenswil


Am Dienstag, 18. März, fand der jährliche Wädi-Slam der Lesegesellschaft im ausverkauften Theater Ticino statt. Neun Poetinnen und Poeten traten auf. Vera Rieger gewann den Wädi-Slam.

 

Am Dienstag, 18. März, fand der Wädi-Slam im Theater Ticino statt. Nach dem ersten von 2007 war es der 16.

Poetry-Slam lebt, ist aktuell wie eh und je. Diesmal wollten so viele Leute den Wettstreit sehen, dass einigen kein Einlass mehr gewährt werden konnte. Es waren zu viele, über hundert.

Neun Poetinnen und Poeten kämpften um die Gunst des Publikums.

Gudi Langhart (Lesegesellschaft) eröffnete den Abend passend mit einer gereimten Einführung. Bereits der erste Slam-Beitrag, wie Jens Engelhart meinte. Er führte mit viel Charme im Dreivierteltakt durch den Abend, wog den Applaus, traf die Entscheide sicher.

Drei Dreiergruppen wurden ausgelost. Aus jeder klatschte das Publikum eine Performance in den Final.

Lukas Becker trat mit einem eher melancholischen Text über Verlust und Zukunftshoffnung gegen «Vive le Charme» an, der eine Hommage an Peter Bichsel vortrug. Worte gegen das FOMO-Konzept (Fear of Missing Out), die «Angst etwas zu verpassen» sicherten Olivia Elger den Finalplatz.

In der zweiten Gruppe regte Marius Portmann das Publikum zu einem Gedankenexperiment an: Wie wäre es, wir müssten in einer Kälte-Zeit mit «Staus fürs Klima» für wärmere Zeiten kämpfen. Darauf verwirrte «J-Man» mit regelwidrig verwendeten Wörtern. So sei ihm «die Leber Wurst» und zum Abschluss: «Ente gut, Aale gut. – Malzeit!» Alva Mathis wiederum liess die Langeweile der Medien nachfühlen, Radio und TV mit Gelaber und belangloser Werbung.

Nach der Pause gab Vera Rieger bekannt, dass mit 25 Jahren klar werde, was man mit 20 falsch entschieden habe. Florian Thalmann sinnierte über den Suizid, überlegte sich, was im Himmel dann wohl besser liefe, wen man treffen würde, etwa einen von grossen Eisenbahnen träumenden Onkel. Als dritte der Gruppe rief Bernadette Brusa dazu auf, die moralische Werte zu verteidigen, fest mit Füssen auf dem Boden stehend. Denn gegenwärtig würden eigene Ziele völlig selbstverständlich mit Respektlosigkeiten unter der Gürtellinie verfolgt.

Im Final musste sich der Text von Olivia über das schwere Blauwalherz, im weiten Meer Freiheit und Leichtigkeit suchend, gegen «J-Man» bewähren. Jener rief Umdenken! Wir hätten das Wasser bis zum Hals, in Meeren würden als einzige Lebewesen nur noch Plastikflaschen schwimmen, eine entfesselte Wirtschaft, zerstöre die Natur. 

Am Ende jedoch gefiel der dritte Finaltext von Vera Rieger am besten, worin sie ihre Zukunftswünsche als 13-Jährige mit jenen der jungen Erwachsenen verglich: Damals hoffte sie, «ach wäre ich die schönste Frau der Welt», bedeuteten ihr die Töfflibuben und die Abgasgerüche noch das wahre Leben. Heute aber will sie keine Vergleiche mehr, will keine «informierte Insta-Idiotin» mehr sein.

Grossen Applaus zum Schluss für alle Slam-Poetinnen und -Poeten und – macht’s gut, auf Wiedersehen in einem Jahr!