Seit Tony Webster pensioniert ist, hat er viel Zeit, über sein Leben und das Älterwerden nachzudenken. Er ist geschieden, hat eine Tochter und einen Enkel, den er aber nur selten sieht. Zu Beginn des Romans erinnert sich Tony an seine Zeit auf dem College. Er gehörte zu einer Gruppe von drei Freunden, zu der Adrian, als vierter, dazu stieß. Adrian ist wortkarg und etwas verschlossen, aber blitzgescheit. Im Geschichtsunterricht glänzt er mit klugen Antworten und fordert den Lehrer und seine Kameraden heraus. Nach dem Abitur trennen sich die Wege, doch die vier Freunde bleiben verbunden. Es sind die sechziger Jahre, man schreibt sich Briefe. Tony lernt Veronika kennen, die beiden «gehen zusammen», er lernt sogar ihre Eltern und ihren Bruder kennen, doch Veronika hält Tony auf Distanz. Nachdem Veronika Tonys Freunde kennengelernt hat, verlässt sie ihn und wird die Partnerin von Adrian. Wenig später erreicht Tony die Nachricht von Adrians Freitod.
Ein halbes Leben später ist für Tony das Schicksal von Adrian immer noch ein Rätsel. Er macht sich auf die Suche nach Veronika, die ihm aber keine rechte Auskunft geben will. Also versucht er auf eigene Faust, das Geheimnis von Adrians frühem Tod zu lüften. Julian Barnes gelingt es, diesen eher einfachen Plot dank geschickter Dramaturgie in eine unglaublich spannende Geschichte zu verwandeln. Was das Buch aber weit über andere Werke hinaushebt, sind die Gedanken, die sich Tony Webster über das Leben, das Altern, über das Erinnern und die Frage macht, wie offen man als Erzähler gegenüber sich und seinen Leserinnen und Lesern sein soll. Am Ende schlägt man das Buch zu und wirft einen neuen Blick auf sich selbst; es ist ein Blick voller Nachdenklichkeit, aber auch voller Trost. «Vom Ende einer Geschichte» ist ein Lebensbuch. Sehr zu Recht ist es 2011 mit dem Man Booker-Price ausgezeichnet worden.