Die fünfundzwanzigjähre Linn erleidet bei einem Vortrag einen Kreislaufzusammenbruch und kehrt anschliessend zu ihrer Mutter Annett zurück, die allein in einem kleinen Haus in der Nähe von Husum lebt und in der örtlichen Bibliothek arbeitet. Für Annett, aus deren Sicht der Roman erzählt wird, bedeutet die Rückkehr der Tochter einen Einschnitt. Sie hat sich gut eingerichtet in ihrem Single-Leben, ihr Mann ist früh gestorben, das Haus gehört ihr. Mit viel Behutsamkeit beschreibt die Autorin, wie sich die Mutter an die neue Gegenwart der Tochter in ihrem Alltag zu gewöhnen versucht, ohne ihren Lebensrhythmus zu verlieren.

Nach einer Phase der langsamen gegenseitigen Annäherung stellt sich heraus, dass Linn, die vielversprechende, international ausgebildete Klimaexpertin, ihren Berufsweg nicht fortsetzen wird, sondern die Arbeit als Aushilfe in der Dorfbäckerei als ihre neue Aufgabe betrachtet. Die Entscheidung der Tochter stellt die Mutter vor neue Fragen: Was habe ich falsch gemacht in der Erziehung? Welche Erwartungen darf ich an Linn haben, nachdem ich ihr die Ausbildung finanziert habe? Wie wird das künftige Zusammenleben von Mutter und Tochter aussehen?

Kristine Bilkau ist eine Meisterin der leisen Töne. Der kluge, feingesponnene und gut zu lesende Roman stammt ganz aus unserer Gegenwart und ist eine ideale Lektüre für Eltern von erwachsenen Kindern.